Explosionsursachen
Acetylenflaschenexplosionen sind die Folge einer Acetylenzersetzung, die unter
starker Temperatur- und Druckerhöhung verläuft. Die Acetylenzersetzung kann
eingeleitet werden
- durch Flammenrückschlag über angeschlossene Leitungen, z.B. vom Brenner
- durch äußere Erwärmung (Einwirkung von Feuer, z.B. an Flaschen
gehängte Schneid- oder Schweißbrenner; Acetylenbrände am
Flaschenventil, Druckminderer oder angeschlossenen Schläuchen;
Werkstattbrand).
Merkmale einer Acetylenzersetzung
Eine Acetylenzersetzung hat begonnen, wenn
- die Temperatur der Flaschenwand ohne äußere Einwirkung steigt
(bei Flammenrückschlag beginnend am Flaschenkopf),
- bei einem Brand am Flaschenventil und / oder Flaschendruckminderer
(Ventilbrand), wenn die Flamme keine kräftig hell leuchtende gelbe
Farbe aufweist, sondern Verfärbungen auftreten, bzw. Ruß oder Qualm
innerhalb der Flamme erkennbar sind,
- das aus dem geöffneten Ventil ausströmende Gas Ruß oder Qualm mitführt,
bzw. einen abnormalen Geruch aufweist. Der Gasstrom ist meist
ungleichmäßig.
Wird der Ventilbrand oder Gasaustritt plötzlich unterbrochen, liegt in den
meisten Fällen eine Verstopfung und keine Entleerung vor. Es ist erhöhte
Aufmerksamkeit geboten, wie auch bei abrupten Änderungen des Ausströmgeräusches.
Schneller Temperaturanstieg am Flaschenmantel zeigt drohendes Bersten an.
Für Flaschen, die von außen durch unmittelbare Einwirkung von Feuer oder
Wärmestrahlung erhitzt worden sind, besteht in jedem Fall die Gefahr einer
Acetylenzersetzung.
Merkmale für das Erkennen hoher Temperaturen
Hohe Temperaturen sind u. a. durch Wärmestrahlung, verschmorende Farbanstriche
mit Rauchentwicklung, starkes Verdunsten bzw. Verdampfen von Kühlwasser und
Schlieren/ Flimmern in der Luft erkennbar.
Verhalten nach Flammenrückschlägen
Die nachfolgenden Maßnahmen sind unverzüglich einzuleiten:
Bei Einzelflaschen
- Nach Flammenrückschlag Flaschenventil unverzüglich schließen.
- Das Flaschenventil schließen, wenn der Ventilbrand mit "sauberer
Acetylenflamme" bzw. "Reingasaustritt" erfolgt und der
Flaschenmantel (Kontrolle durch wiederholtes Befühlen mit der Hand)
kalt bleibt.
- Kann ein Flaschenventil, an dem ein Ventilbrand vorliegt, nicht mehr
geschlossen werden, so sollte die Flamme zur Vermeidung
einer Raumexplosion nicht gelöscht werden.
- Nicht mehr an die Flasche herangehen, wenn nach längerem Brennen oder
Ausströmen ein Zerfallsbrand bzw. ruß- oder qualmhaltiger
Gasaustritt (Flaschenmantel erwärmt) zu beobachten ist.
Bei Flaschenbündeln
- Nach Flammenrückschlag Zentralventil unverzüglich schließen.
- Bei Erwärmung Flaschen mit Wasser kühlen, Abstand halten.
- Keine Einzelflaschenventile schließen oder sonstige Manipulationen
am Bündel vornehmen. Insbesondere das Bündel nicht zerlegen.
- Bei einem Brand innerhalb des Bündels besteht erhöhte Explosionsgefahr
für die Acetylenflaschen. Bündel aus gedeckter Stellung kühlen und
ausbrennen lassen. Mindestens 24 Stunden abwarten.
Vorsicht: Durch Verstopfung könnten einzelne
Flaschen nicht entleert worden sein.
Behandlung von Flaschen, die durch Flammenrückschlag
oder äußere Einwirkung erwärmt sind
Flaschen, in denen eine Acetylenzersetzung begonnen hat, sind ins Freie an
einen geeigneten Ort zu befördern, solange der Flaschenmantel trotz Erwärmung
noch an allen Stellen mit ungeschützter Hand berührt werden kann.
Eine ständige Kontrolle auf schnellen Temperaturanstieg ist dabei unerläßlich.
Sollte bei der Beförderung ins Freie ein schneller Temperaturanstieg eintreten,
ist die Flasche sofort abzulegen und Deckung zu suchen. Anschließend ist
Kühlung aus gedeckter Stellung einzuleiten.
Ist die Beförderung ins Freie nicht mehr möglich und/oder strömt unverbranntes
Gas aus, so sind Zündquellen (offenes Licht, Feuer, Zigaretten und dergl.) zu
beseitigen, Türen und Fenster zu öffnen (Gefahr einer Raumexplosion), und es
ist aus gedeckter Stellung zu kühlen. Reichen die betrieblichen Mittel nicht
aus, ist die Feuerwehr zu informieren.
Flaschen bis zum Erreichen normaler Temperatur mit Sprühstrahl aus gedeckter
Stellung kühlen. Zur Feststellung des Erreichens der normalen Temperatur wird
das Kühlen unterbrochen (frühestens nach 30 Minuten) und der Wasserfilm auf dem
Flaschenmantel beobachtet. Verdunstet das Wasser sehr langsam, so kann die
Flasche transportiert werden.
Danach ist die Flasche 24 Stunden an einem sicheren Platz (ausreichender
Abstand von Arbeitsplätzen, Verkehrswegen und bewohnten Räumen) zu lagern.
Die Lagerung sollte zweckmäßigerweise in einem Wasserbad erfolgen.
Im Fall eines Brandes sind Löscharbeiten einzuleiten und die Feuerwehr zu
alarmieren.
Nach Beseitigung der Wärmequelle sind die Flaschen zu kühlen. Die weitere
Behandlung erfolgt wie zuvor beschrieben.
Bei Erwärmung von Acetylenflaschen nach Flammenrückschlag oder äußerer
Wärmeeinwirkung Umgebung räumen.
Explodierende Flaschen können über 200 Meter weit fliegen und einen
explosionsbedingten Feuerball verursachen.
Behandlung geschädigter Flaschen
Der Betreiber ist nach den Technischen Regeln für Acetylenanlagen und
Calciumcarbidlager verpflichtet, die von einer Acetylenzersetzung oder einer
äußeren Erwärmung betroffenen Flaschen nicht weiter zu benutzen, sie deutlich
zu kennzeichnen und das Füllwerk bzw. den Flaschenlieferanten zu
benachrichtigen. Abgekühlte Flaschen, die keine äußeren Verformungen,
keine Spuren erheblicher Temperaturentwicklung (Anlaßfarben) haben und
bei denen nach dem Öffnen des Ventils kein Ruß, Qualm oder abartiger Geruch
austritt, können weiter verwendet werden.
Vorbeugende Maßnahmen
- Druckminderer sorgfältig gasdicht anschließen.
- Nur mit einwandfreien Brennern, Schläuchen und Armaturen arbeiten.
Ein wiederholt abknallender Brenner kann einen Flammenrückschlag
verursachen und weist auf Mängel am Gerät hin.
- Brenner nicht an die Flasche hängen.
- Flasche nicht in der Nähe von Wärmequellen (z. B. offenem Feuer) aufstellen.
Allgemeine Ratschläge für die Einsatzkräfte
Kann der Gasstrom nach einem Rückschlag sofort unterbrochen werden, ist im
Regelfall zu erwarten, dass der eingeleitete Zerfall von der porösen Masse
ohne zusätzliche Kühlung aufgehalten wird. Dies gilt jedoch nicht für
Acetylenflaschen und -bündel,
- die zur Füllung angeschlossen sind,
- die äußeren Hitze-/Wärmeeinwirkungen ausgesetzt sind.
Acetylenflaschen können erst mit erheblicher Zeitverzögerung explodieren.
Das beruht auf dem Umstand, dass sich der Zerfall in den Flaschen über Stunden,
äußerlich nicht erkennbar, mit einer relativ geringen Leistung in der
Größenordnung um 100 W fortsetzen kann.
Der Erfolg der Wasserkühlung ist um so größer, je früher sie eingesetzt wird.
Der Kühlwasserbedarf ist zu Beginn des Kühlens am größten. Bei Aufenthalt im
unmittelbaren Gefahrenbereich die Flasche ständig beobachten.
Acetylenflaschen warnen vor der Explosion durch einen schnellen
Temperaturanstieg. Dies kann bei äußerer Feuereinwirkung bzw. während starker
Wasserkühlung jedoch nicht erkannt werden.
Nach äußerer Feuereinwirkung und / oder Rückschlägen, bei denen die Ventile
nicht sofort gasdicht geschlossen werden konnten, besteht erhöhte
Explosionsgefahr. In solchen Fällen nicht mehr an die Flasche herangehen.
Aus gedeckter Stellung kühlen und abwarten. Nicht mehr an undichten Ventilen
manipulieren oder andere Abdichtversuche unternehmen. Flaschen unter Kühlung
ausblasen lassen.
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